Die Diesel-Variante des Retro-Stadtauto-Klassikers: das bekannte Fiat Powertrain 1.3 Multijet II in der kleinen 500-Karosserie. Derselbe Motor steckt in Millionen von Punto, Panda und Opel Corsa D und ist auf der Langstrecke durchaus langlebig. Als Diesel-Stadtauto wird der 500 allerdings oft aus den falschen Gründen gekauft — reiner Kurzstreckenbetrieb beschleunigt DPF-, AGR- und Ölverdünnungsprobleme, die im Extremfall den Motor zerstören.
Sparsam auf längeren Strecken
Weit verbreiteter Multijet-Motor
Ölverdünnung kann Motor zerstören
AGR und Ansaugbrücke verrußen
Kaufen, wenn: Sie fahren überwiegend Autobahn und Landstraße, haben ein lückenloses Serviceheft mit jährlichen Ölwechseln und können bestätigen, dass der DPF nie zwangsregeneriert wurde.
Vermeiden, wenn: Das Auto wurde hauptsächlich auf Kurzstrecke bewegt, der Ölstand liegt über MAX oder die DPF-Warnleuchte ist kürzlich aufgetreten.
Erwartete jährliche Wartungskosten
Bekannte Probleme
Kurzstrecken verhindern die Regeneration, was zum verstopften DPF und teurem Austausch führt · mehr· weniger
Der 1.3 Multijet braucht regelmäßige Autobahnfahrten (20+ km bei 70+ km/h), damit der DPF regenerieren kann. Ein überwiegend in der Stadt bewegter 500 erreicht diese Bedingungen selten, sodass sich Ruß anlagert und Zwangsregenerationen immer häufiger werden. Erste Warnzeichen sind die DPF-Leuchte, erhöhter Verbrauch und steigender Motorölstand am Messstab. Eine Zwangsregeneration bei Fiat oder Fachwerkstatt kostet 100-250 €, eine Reinigung/Freibrennen (ausgebaut) 300-500 €, ein neuer OEM-DPF 1.000-1.500 € eingebaut. Nachbau-DPFs gibt es ab 400-700 €, Qualität schwankt stark. Ein Entfernen oder Deaktivieren des DPF ist in der EU/EWR illegal und fällt bei der AU durch.
Unverbrannter Diesel aus abgebrochenen Regenerationen verdünnt das Öl, was zum durchgehenden Motor führen kann · mehr· weniger
Das schwerwiegendste Risiko bei jedem kurzstreckig bewegten Fiat 500 1.3 Multijet. Während der DPF-Regeneration wird zusätzlicher Diesel nacheingespritzt, um Ruß auszubrennen. Wird die Regeneration abgebrochen — typischerweise durch Abstellen des Motors vor dem Ende — gelangt der unverbrannte Kraftstoff an den Kolbenringen vorbei in die Ölwanne und hebt den Ölstand. Steigt der Ölstand mehr als etwa 10-15 mm über MAX, kann der Motor Öldampf über Turbo/Ansaugung aufnehmen und auf seinem eigenen Sumpföl durchgehen: Er überdreht unkontrolliert und zerstört sich in Sekunden selbst. Mehrere Besitzer beschreiben in Foren exakt diesen Verlauf. Prüfen Sie vor jedem Kauf Ölstand und Geruch (Diesel riechbar?). Liegt das Öl über MAX, sofort Ölwechsel und DPF-System untersuchen lassen. Ein durchgegangener Motor ist praktisch ein Motortausch: 3.000-5.000 € für einen Gebrauchtmotor eingebaut, mehr für eine Instandsetzung. Moderate Ölverdünnung wird durch frühzeitigen Ölwechsel behoben (80-150 €).
Das AGR-Ventil bleibt hängen und die Ansaugbrücke verkokt, was Notlauf und unruhigen Lauf verursacht · mehr· weniger
Das Multijet-II-AGR-Ventil führt Abgas in die Ansaugung zurück, wo es sich mit Öldampf vermischt und dicke Kohlenstoffablagerungen in Brücke und Einlasskanälen bildet. Typische Symptome sind Motorkontrollleuchte, Leistungsverlust, Notlauf und unruhiger Leerlauf. Eine komplette Reinigung von AGR-Ventil und Ansaugbrücke in der Fachwerkstatt kostet 150-250 €; Austausch des AGR-Ventils (Teilekosten meist 200-300 €) plus Arbeit ergibt rund 350-500 €. Wird die Ansaugbrücke ersetzt statt gereinigt, steigen die Kosten auf 700-900 €. Fahrzeuge mit viel Autobahnanteil und korrektem Low-SAPS-Öl haben dieses Problem deutlich seltener. Eine chemische Ansaugsystem-Reinigung alle 40.000-60.000 km hilft vorbeugend.
VTG-Turbo fällt durch Ölmangel, Verkokung oder festsitzende Leitschaufeln aus · mehr· weniger
Der kleine KKK/IHI-VTG-Turbo des 1.3 Multijet ist grundsätzlich haltbar, reagiert aber empfindlich auf Ölqualität, Kurzstreckenbetrieb und DPF-bedingte Ölverdünnung. Symptome sind Pfeifen oder Heulen unter Last, blauer Rauch beim Beschleunigen, Leistungsverlust und Ölnebel im Ladeluftsystem. Bei hoher Laufleistung oder schlechter Wartung setzen sich die Leitschaufeln durch Verkokung fest und lösen Notlauf aus. Ein instandgesetzter Turbolader kostet 400-700 € plus rund 300-500 € Arbeit; OEM-Neu-Turbos 900-1.200 € eingebaut. Zur Vorab-Prüfung auf Turboprobleme auf ungewöhnliches Pfeifen beim Beschleunigen achten und den Ladeluftschlauch auf Ölrückstände kontrollieren.
ZMS und Kupplung verschleißen gemeinsam, das Diesel-Drehmoment beschleunigt den ZMS-Verschleiß · mehr· weniger
Wie die meisten modernen Kleindiesel nutzt der 1.3 Multijet ein Zweimassenschwungrad zur Dämpfung von Motorvibrationen. Es verschleißt schneller als bei Benzinern wegen des höheren Drehmoments und der typischen niedertourigen Fahrweise im Stadtverkehr. Symptome: Rasseln im Leerlauf, rucken beim Schalten und Schütteln beim Anfahren. Ein ZMS-Tausch allein ist unwirtschaftlich — es wird immer zusammen mit Kupplung und Ausrücklager gemacht. Ein kompletter ZMS-/Kupplungssatz in einer Fachwerkstatt kostet 900-1.300 €, beim Fiat-Händler 1.400-1.600 €. Typische Ausfallkilometer liegen bei 120.000-180.000 km, bei Fahrschul- oder Ex-Mietwagen früher.
Bosch Piezo-/Magnet-Injektoren können innere Lecks entwickeln, was zu Startproblemen und unruhigem Lauf führt · mehr· weniger
Der 1.3 Multijet nutzt Bosch- oder (später) Delphi-Injektoren, die nach 120.000-180.000 km innere Lecks entwickeln können — besonders bei Fahrzeugen, die mit billigem Diesel ohne Additiv gefahren wurden. Symptome sind schwerer Kaltstart, unruhiger Leerlauf, weißer Rauch und Dieselgeruch. Ein einfacher Rücklaufmengen-Test kostet 30-60 € und identifiziert den defekten Injektor. Instandgesetzte Injektoren 120-180 € pro Stück; ein kompletter Satz (vier Stück) inklusive Codierung läuft auf 700-1.200 €. Ist nur ein Injektor defekt, kostet der Tausch 250-400 €. Markenkraftstoff und ein Reinigungsadditiv alle 10.000 km verlängern die Injektorlebensdauer.
Der Drehmomentsensor in der Lenksäule verschleißt und führt zum Ausfall der Servolenkung · mehr· weniger
Derselbe Lenksäulen-Defekt betrifft alle Fiat 500 Mk1 unabhängig vom Motor. Ein Drehmomentsensor in der EPS-Säule verschleißt und löst Fehlercode C1002 aus, was zu aussetzender oder komplett fehlender Lenkkraftunterstützung führt. Eine neue Fiat-Lenksäule kostet über 800 € plus Codierung; spezialisierte Instandsetzer in ganz Europa reparieren für 300-500 € mit lebenslanger Garantie und ohne Codierung. Tritt meist nach 80.000-120.000 km auf.
Pulverbeschichtete Ölwanne und hintere Federaufnahmen rosten durch, besonders in Streusalz-Regionen · mehr· weniger
Betrifft alle Fiat 500 Mk1. Die gusseiserne Ölwanne hat werkseitig nur schwachen Korrosionsschutz und kann in Streusalz-Regionen binnen 4-6 Jahren durchrosten (Nachbau-Ölwanne 40-80 € plus eine Stunde Arbeit). Die Federaufnahmen der hinteren Verbundlenkerachse sammeln Feuchtigkeit und können reißen oder abbrechen, was HU-/TÜV-Durchfall bedeutet; Schweißreparatur 100-200 €, kompletter Hinterachstausch 600-800 €. Ein Diesel-500 wird oft für höhere Jahresfahrleistungen gekauft und ist damit mehr Winter-Streusalz ausgesetzt als ein 1.2 als reines Stadtauto.
Der Motor ist langlebig, aber Kurzstreckenbetrieb ist ein großes Risiko
Der Fiat 1.3 Multijet II ist einer der meistverbauten Kleindiesel Europas und erreicht bei korrekter Wartung problemlos 300.000 km und mehr. Der 500 1.3 Multijet scheitert jedoch, wenn er falsch genutzt wird: Kurzstrecke, versäumte Ölwechsel und ignorierte DPF-Warnungen führen zu Ölverdünnung, DPF-Verstopfung und im schlimmsten Fall zum durchgehenden Motor. In Kombination mit den allgemeinen 500-Schwachstellen — EPS-Säule, Rost am Unterboden, Türgriff-Scharniere — lohnt sich diese Variante nur für Käufer, die die bisherige Nutzung nachweisen können. Ein gut gewartetes, autobahngefahrenes Exemplar mit frischem Öl, sauberen DPF-Werten und ohne Warnleuchten kann ein wirklich sparsames Auto sein. Ein reines Kurzstrecken-Stadtauto ist ein Risiko.
Checkliste für die Kaufinspektion
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Wartungshistorie
Lückenloses Serviceheft von Fiat-Werkstatt oder Fachwerkstatt ist Pflicht. Prüfen Sie, ob der Ölwechsel jährlich erfolgt ist — dieser Motor reagiert schlecht auf verlängerte Intervalle.
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Kaltstart
Motor komplett kalt starten. Achten Sie darauf, dass das Dieselnageln binnen weniger Sekunden nachlässt, beobachten Sie den Auspuff auf blauen oder weißen Rauch und prüfen Sie Warnleuchten.
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Probefahrt
Mindestens 20-30 Minuten mit Autobahnanteil. Diesel-typische Probleme (DPF, Turbo, Injektoren) zeigen sich oft erst bei voller Betriebstemperatur.
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Reifen und Bremsen
Profiltiefe, Reifenalter (DOT), ungleichmäßigen Verschleiß und Bremsenziehen prüfen. Diesel-500 werden oft härter bewegt als Benziner.
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Ölstand und -geruch prüfen
Wichtigste Einzelprüfung. Öl über MAX, dünne Konsistenz oder Dieselgeruch sind Anzeichen für anhaltende Ölverdünnung und ein DPF-Problem. Bei sichtbar überfülltem Öl: Finger weg.
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DPF-Messwerte per Diagnose auslesen
Ein Diagnosegerät liest Ruß- und Aschebeladung, Distanz seit letzter Regeneration und Anzahl Zwangsregenerationen aus. Häufige Zwangsregens oder hohe Ascheladung (>100 g) bedeuten: DPF am Lebensende.
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Nutzungsprofil erfragen
Fragen Sie den Verkäufer explizit nach typischer Fahrtlänge. Reine Stadtnutzung ist unabhängig vom Kilometerstand ein Warnsignal. Autobahnnutzung ist auch bei höherer Laufleistung vorzuziehen.
Tipp: Nutzen Sie einen Bluetooth-OBD2-Scanner, um bei der Besichtigung Fehlercodes auszulesen.
Rückrufe und technische Servicehinweise
Hintere Bremsbefestigungsschrauben nicht korrekt angezogen (Produktion Aug 2008 - Jan 2009)
Erledigung prüfen
Lenksäulenschraube ohne Schraubensicherung (Produktion Sep 2009)
Erledigung prüfen
Software-Fehler bei Airbag-Auslösung — falscher Airbag kann bei Unfall auslösen (Dez 2009 - Aug 2010)
Erledigung prüfen
Kabelbaumfehler mit Beleuchtungsausfall (Sep 2011 - Jul 2014)
Erledigung prüfen
Risiko eines Bremskraftverstärker-Leitungsausfalls (Produktion Jun - Sep 2012)
Erledigung prüfen
Defekt am vorderen Sicherheitsgurt (Produktion Sep - Nov 2014)
Erledigung prüfen
Nicht konforme Kraftstoffpumpen-Schutzhalterung — Leckrisiko bei Unfall
Erledigung prüfen
Der Fiat 500 hatte über seine Bauzeit hinweg eine erhebliche Anzahl an Rückrufen. Kontaktieren Sie eine Fiat-Werkstatt mit der FIN, um alle zutreffenden Rückrufe zu verifizieren.
Garantiestatus
Herstellergarantie (2 Jahre)
Bei allen gebrauchten Fiat 500 1.3 Multijet abgelaufen
Durchrostungsgarantie (8 Jahre)
Bei Fahrzeugen vor 2018 abgelaufen
Garantieverlängerung
Über Fiat-Werkstätten und Drittanbieter verfügbar
Alle Fiat 500 1.3 Multijet liegen außerhalb ihrer ursprünglichen 2-jährigen Herstellergarantie. Angesichts der bekannten dieselspezifischen Risiken (DPF, Turbo, Injektoren) kann eine Garantieverlängerung, die DPF und Kraftstoffsystem explizit abdeckt, sinnvoll sein.
Dieser Bericht dient nur zu Informationszwecken und stellt keine professionelle Beratung dar. Schätzungen können ungenau sein. Lassen Sie das Fahrzeug vor dem Kauf immer von einem qualifizierten Fachmann inspizieren. Wir übernehmen keine Haftung für Entscheidungen, die auf Grundlage dieser Informationen getroffen werden. Diese Seite enthält Affiliate-Links — wir erhalten ggf. eine kleine Provision, ohne Mehrkosten für Sie.